Entwicklung und Idee der Fusionsbiopsie

Ende der 90-iger Jahre stand die Vorsorge, Früherkennung und Abklärung der Diagnose Prostatakrebs auf folgenden drei Säulen:

  1. PSA-Wert (Bestimmung des Prostata-Spezifischen-Antigens aus dem Blutserum)
  2. DRU (Digital-rektale Untersuchung = Tastuntersuchung über den Enddarm)
  3. TRUS (transrektaler Ultraschall = Ultraschall der Prostata über den Enddarm)

Auch heute sind diese Untersuchungsmodalitäten bei der Diagnose Prostatakrebs Standard und fest verankert in den S3-Leitlinien zum Prostatakarzinom. Besteht in einem oder mehreren der genannten Tests eine Auffälligkeit und der Verdacht auf Prostatakrebs muss eine Biopsie (Probeentnahme) der Prostata erfolgen. Die Prostatabiopsie erfolgt Ultraschall (TRUS) unterstützt, wobei nach standardisiertem Schema lt. Leitlinie 10-12 Gewebezylinder (Stanzen) entnommen werden. Während sich damit in vielen Fällen die Diagnose Prostatakarzinom stellen lässt, gibt es Patienten bei denen dies trotz wiederholter Prostatabiopsie nicht gelingt, da das Krebsareal außerhalb des standardisierten Feldes der Prostatabiopsie atypisch oder an schwer zugänglichen Bezirken liegt.

Daher wurden innovative bildgebende Verfahren klinisch weiterentwickelt, um Prostatakarzinome besser lokalisieren zu können. Zu Beginn wurde bei den MRT-Untersuchungen die bildliche Darstellung der sog. T2w-Sequenzen (Beurteilung Morphologie) verbessert, indem bei den damals gängigen 1.5 Tesla-MRT Generatoren zusätzlich eine sog. Endorektalspule im Enddarm platziert wurde. Zusätzlich Begann die Entwicklung und Einführung der sog. MR-Spektroskopie. Damit konnten Karzinom-typsiche Stoffwechselveränderungen (Zitrat, Kreatin, Cholin) des Prostatakarzinoms nachgewiesen werden und auffällige Befunde in der T2w-Sequenz bestätigen oder entkräften. Später erfolgte die zusätzliche Applikation von Kontrastmittel, um Tumor typische Gefäßveränderungen des Prostatakrebs darstellen zu können (DCE-Sequenzen) und zuletzt konnte die H-Ionen Beweglichkeit im Gewebe (DWI-Sequenzen) gemessen werden, die bei Prostatakarzinomen deutlich eingeschränkt ist. Damit steht seit einigen Jahren das sog. multiparametrische MRT der Prostata vielerorts zur Verfügung. Allerdings kam erst nach Einführung standardisierte Auswertungskriterien durch die European Society of Urogenital Radiology (ESUR) im Jahr 2012 ein strukturiertes Befundungsschema (PI-RADS) zur Anwendung (Literatur: Barentsz JO, Richenberg J, Clements R, et al. ESUR prostate MR guidelines 2012. Eur Radiol. 2012;22(4):746-57). Seit 2015 ist die PIRADS Klassifikation Version 2 online abrufbar.

Neben der MRT-Diagnostik kam es auch bei der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zu Entwicklungssprüngen, um Prostatakarzinome besser lokalisieren zu können. Während in der Anfangsphase die PET bzw. PET/CT mit 11C-Cholin bzw. 11C-Acetat als "Marker" und später wegen der besseren Verfügbarkeit und der längeren Halbwertszeit mit 18F-Fluoroethyl-Cholin durchgeführt wurde, musste man feststellen, dass die Cholin-PET/CT Untersuchung sowohl in der Primärdiagnose wie auch beim Rezidivfall dem eigentlich Tumorbefall zeitlich hinterherhinkt, ist das bei dem aktuell verwendeten 68Ga-PSMA-PET/CT oder PET/MRT nicht mehr der Fall.

Anlage: Literatur zum Thema von PD Dr. med. Michael Seitz


Contrast-enhanced transrectal ultrasound (CE-TRUS) with cadence-contrast pulse sequence (CPS) technology for the identification of prostate cancer.

Autoren: Seitz M, Gratzke C, Schlenker B, Buchner A, Karl A, Roosen A, Singer BB, Bastian PJ, Ergün S, Stief CG, Reich O, Tilki D. Urol Oncol. 2011 May-Jun;29(3):295-301.

Kontrastmittel Ultraschall bei der Diagnose Prostatakrebs


MRT-Perfusion und MR-Diffusion beim Prostatakarzinom

Autor: Scherr MK, Seitz M et al., Eur J Radiol. 2010 Dec;76(3):359-66.

Mulitparametrische MRT der Prostata bei Prostatakrebs


Current status of ultrasound imaging in prostate cancer.

Aktueller Stand der Ultraschall Bildgebung beim Prostatakarzinom

Autor: Seitz M, Strittmatter F, Roosen A, Tilki D, Gratzke C. Panminerva Med. 2010 Sep;52(3):189-94.

 

 

Fusionsbiopsie der Prostata


Molekulare Bildgebung von Blutgefäßen beim Prostatakarzinom

Autor: Tilki D, Seitz M et al., Anticancer Res. 2009 May;29(5):1823-9.

Fusionsbiopsie


Multiparametrisches MRT bei der Bildgebung des Prostatakarzinoms

Autor: Seitz M et al., Eur Urol. 2009 Apr;55(4):801-14.

PDF unter:

http://www.europeanurology.com/article/S0302-2838(09)00038-4/pdf

Multiparametrisches MRT und Fusionsbiopsie


Kombinierte MRT und MR-Spektroskopie bei der Diagnose Prostatakarzinom: Eine systematische Übersichtsarbeit

Autor: Seitz M, Gratzke C et al., Eur Urol. 2009 Mar;55(3):591.

MRT und Prostatabiopsie


Bildgebende Verfahren bei der Diagnose des Prostatakarzinom

Autor: Seitz M et al., Urologe A. 2007 Oct;46(10):W1435-46.



Value of Choline PET/CT in patients with suspected prostate cancer.

Stellenwert der Cholin-PET/CT Untersuchungen bei Patienten mit Verdacht auf Prostatakarzinom

Autor: B. Scher, M. Seitz et al., Eur J Nucl Med Mol Imaging. 2007 Jan;34(1):45-53.



Advances in Metabolic Imaging in Patients with Elevated Prostate Specific Antigen (PSA).

Fortschritte bei der Bildgebung bei Patienten mit erhöhtem PSA Wert

Übersichtsartikel zum Thema Bildgebung beim Prostatakarzinom

Autor: M. Seitz et al.,EAU-EBU udate series 4 (2006) 20-32

PDF unter: http://www.eusupplements.europeanurology.com/article/S1871-2592(05)00066-3/pdf



Mit der Verbesserung der Bildgebung stellte sich die Frage, wie dieser Fortschritt in die Prostatabiopsie-Technik transportiert werden könnte.


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